Das Fahrrad-Gedächtnis #1: Deine Reifen lügen nicht!
- Edgaras Bruzas
- 5. Juli
- 1 Min. Lesezeit
Man sagt ja im Leben: „Augen lügen nicht.“ In meiner Werkstatt gilt ab heute ein ganz anderes Gesetz: Deine Reifen lügen auch nicht! Sie sind das Gedächtnis deines Fahrrads. Sie erzählen mir ganz genau, wie du auf der Straße unterwegs bist und wie du dein Rad behandelst – noch bevor wir das erste Wort miteinander gewechselt haben.
Der Befund: Oben hui, an den Seiten pfui
Ein klassischer Fall, den ich fast täglich bei uns auf der Hebebühne habe: Ein E-Bike oder Lastenrad rollt rein. Die Lauffläche des Mantels sieht eigentlich noch top aus, das Profil ist fast wie neu. Aber beim Blick auf die Seitenwände (Flanken) des Reifens trifft mich der Schlag: Das Gummi ist voller kleiner, tiefer Risse und wirkt komplett spröde und porös.
Die Diagnose vom Zweiradmeister
Ich sehe an diesen Rissen sofort: Du liebst dein Fahrrad und fährst viel damit – aber du jagst es viel zu oft mit viel zu wenig Luft durch die Stadt! Das ist kein Materialfehler, sondern das direkte Resultat von chronischem Plattfuss-Fahren.
Die Erklärung: Das tödliche „Walken“
Was viele Radfahrer nicht wissen: Wenn der Luftdruck im Reifen zu niedrig ist, passiert bei jeder einzelnen Radumdrehung eine Katastrophe an der Reifenflanke. Der Reifen wird durch das Gewicht von Fahrer und Rad plattgedrückt und das Material an den Seiten extrem „gewalkt“.
Das Gummi und das darunterliegende Karkassengewebe werden bei der Fahrt buchstäblich ununterbrochen durchgeknetet. Die Folge? Das Gewebe ermüdet im Zeitraffer, bricht auf und reißt – lange bevor das Profil auf der Lauffläche überhaupt abgefahren ist. Du wirfst also einen Reifen weg, der oben noch wie neu ist, nur weil an der Luft gespart wurde.
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